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Tim Böhme und sein letztes Mal

von Erhard Goller

Singener Lokalmatador beendet am Ende der Saison seine Karriere
Tim Böhme ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Der 16. Rothaus Hegau Bike-Marathon wird am 13. Mai für den Lokalmatadoren Tim Böhme zur Abschiedsvorstellung. Der Singener will nach dieser Saison seine Karriere beenden und dann höchstens noch als Hobby-Biker antreten. Vielleicht kann er sein Heim-Rennen, das für ihn immer etwas sehr Besonderes war, auch mit einem Sieg beenden.

 

Der Rothaus Hegau Bike-Marathon und Tim Böhme, das ist eine innige Verbindung. Der Event in seiner Heimat hat den Singener nahezu seine gesamte Karriere begleitet und obschon Böhme bei Welt- und Europameisterschaften am Start und auch erfolgreich war: sein Heimrennen, das blieb immer etwas Besonderes.

In seinem Team Bulls haben sie das immer registriert. „Bei keinem Rennen ist Tim vorher so nervös“, bestätigt Team-Manager Friedemann Schmude und er meinte das ernst. Ganz egal ob in Singen nun die Deutschen, die Europa- oder die Weltmeisterschaften stattfanden.

Und das wird auch am 13. Mai wieder so sein. Zum letzten Mal, denn am Ende dieser Saison wird Schluss sein mit der Profi-Karriere. „Daheim zu fahren, das ist für mich immer Nerven aufreibend“, gibt Böhme zu. „Singen, das war immer ein Ziel, egal ob es WM ist oder gar nichts. Ich bereite mich immer besonders darauf vor.“

Vielleicht hat ihm diese Anspannung bei den Meisterschaften in Singen auch den Weg zu einer Medaille versperrt. Wie auch immer, die 16. Auflage wird seine letzte als Profi sein.

„Zum Oberbürgermeister habe ich bei der WM im vergangenen Jahr gesagt: nächstes Jahr noch und danach fahre ich mit Ihnen“, erzählt Böhme mit einem Schmunzeln. Soll heißen: als Hobby-Biker und zum reinen Vergnügen.

Tim Böhme wird im Juli 36 Jahre alt und obschon er nach wie vor zu den Besten seines Fachs gehört, wie unlängst der siebte Platz beim Cape Epic belegt hat, will er am Ende der Saison 2018 einen Schluss-Strich ziehen. „Mein Vertrag läuft aus und Stand heute, werde ich ihn nicht mehr verlängern wollen. Irgendwann reicht es einmal“, sagt Böhme.

Elfmal war er beim prestigeträchtigen Cape Epic am Start, zehnmal hat er es beendet, zweimal als Dritter auf dem Gesamt-Podest. Eine EM-Bronze-Medaille hat er 2011 geholt, 2014 war er Deutscher Marathon-Meister.

Auch wenn er beim Cape Epic (gemeinsam mit Simon Stiebjahn) nicht wirklich darüber nachgedacht hat, dass es vorerst sein letztes war. „Dazu war ich zu fokussiert“, sagt er. „Vielleicht wollte ich es aber auch nicht an mich heranlassen.“ Damit ihn die Wehmut nicht packt. Schließlich ist Böhme durchaus ein Gefühlsmensch.

Dennoch hat er dieses Abschluss-Jahr anders geplant als die Jahre zuvor. Die Europameisterschaften, die an diesem Wochenende in Italien stattfinden, lässt er aus und fliegt stattdessen nach Kalifornien zum Festival Sea Otter Classic in Monterey. Dann liebäugelt er noch mit Rennen wie dem Cape Pioneer in Neuseeland oder dem La Leyenda Del Dorado in Kolumbien, sofern sich das umsetzen lässt.

 "Nur Radfahren und genießen"

Ohnehin hat das Privatleben etwas in den Sport eingegriffen. Seine Frau Katharina lebt aus beruflichen Gründen derzeit in Marokko. Dass Tim Böhme zwischen seinem Wohnort Frankfurt und Afrika pendelt, wäre vielleicht übertrieben ausgedrückt, aber den einen oder anderen Flug dahin gibt es natürlich schon.

Nach Jahren, in denen er parallel zum Leistungssport das Rad-Labor in Frankfurt aufgebaut und geleitet hat, nebenher noch mit dem Journalisten Jochen Haar Bücher auf den Markt gebracht und eine Trainer-App entwickelt hat, lässt er aber diese Tätigkeiten für seine letzte Saison als Leistungssportler ruhen.

„Die letzte Saison nur Radfahren und genießen“. So formuliert er es. Auch den Rothaus Hegau Bike-Marathon, ein letztes Mal. Und vielleicht mit dem achten Sieg in heimischen Gefilden abschließen. Könnte sein, dass sich die Emotionen in seiner Heimatstadt dann doch Bahn brechen.

Im Kreise der Freunde und der zahlreichen Hobby-Biker, die sich an diesem Tag im Hegau auf 31, 49 und 80 Kilometer der gleichen Leidenschaft nachgehen, die Tim Böhmes Leben seit seiner Jugend ausgefüllt hat.

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