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Janine Schneider triumphiert vor Heimpublikum | Sascha Weber nicht aufzuhalten

von Zugang Rothaus Hegau Bike Marathon in Singen

Fazit: Starkes Teilnehmerfeld

Janine Schneider triumphiert vor Heimpublikum | Sascha Weber nicht aufzuhalten

 

Beim 17. Rothaus Hegau Bike-Marathon in Singen hat es bei den Damen durch Janine Schneider einen Überraschungssieg gegeben. Sie gewann nach 80 Kilometern vor Kim Ames und Stefanie Dohrn. Bei den Herren siegte der ehemalige Vize-Europameister Sascha Weber auf den 98 Kilometern der UCI Marathon Serie nicht unerwartet vor dem Schweizer Urs Huber und Jochen Käß. Mit knapp 1000 Teilnehmer und einer reibungslosen Ablauf zeigten sich die Organisatoren sehr zufrieden mit dem Event.  

 

Nach 31 Kilometern passierte ein Damen-Trio das Start-Ziel-Gelände am Rathaus in Singen. Die Konstellation war allerdings keine mit den Top-Favoritinnen. Local Hero Janine Schneider hatte man vielleicht erwartet, vielleicht auch noch die Marathon-DM-Dritte Kim Ames (Hirzweiler), aber kaum Stefanie Dohrn aus Bergisch-Gladbach. Und schon gar nicht, dass fast vier Minuten vergingen, ehe die Verfolgerinnen um Olympiasiegerin Sabine Spitz auftauchten.

Neun Fahrerinnen bildeten die Verfolger-Formation und weil die Gruppe so groß war, musste man vermuten, dass niemand so richtig die Initiative ergriffen hatte um dem mutigen Trio zu folgen.

„Das Tempo war sehr langsam. Ich dachte, ich fahre jetzt einfach mal schneller und als Kim und Steffi mitkamen, da wusste ich, dass da zwei gute Fahrerinnen mit dabei waren und  wir gut zusammen arbeiten können“, erklärte Janine Schneider.

Aber es blieben ja noch 49 Kilometer zu fahren.

Das Trio verstand sich jedoch prima und wechselte sich in der Führung ständig ab.  In der neunköpfigen Verfolger-Gruppe wollte Esther Süss zugunsten ihrer Teamkollegin Janine Schneider (German Technology Racing) kein Tempo machen und auch Verena Huber (Centurion-Vaude) hatte mit Stefanie Dohrn eine Teamkollegin vorne dabei.

Sabine Spitz konnte schlicht nicht. „Nach meinem Magen-Darm-Infekt war es energetisch einfach schwierig. Die Kälte zieht auch noch Energie. Auf den ersten 20 Kilometer ging es noch, aber dann ging nichts mehr“, bekannte Spitz.

 

Janine Schneider nutzt die Atmosphäre am Plören

So waren die Podest-Plätze vergeben. Stefanie Dohrn konnte etwa 20 Kilometer vor dem Ziel nicht mehr mithalten und so kam es am Plören vor einer schönen Zuschauer-Kulisse zum Showdown.

Die 24-jährige Janine Schneider griff an und die Lottstetterin wurde von „ihrem“ Publikum hochgepeitscht. Es gelang ihr sechs Kilometer vor dem Ziel die entscheidende Lücke zu reißen und sich in Singen als Siegerin des Rothaus Hegau Bike-Marathon feiern zu lassen.

„Das ist mega, ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich das dieses Jahr schon schaffen kann. Podest war das Ziel. Der Hegau Bike-Marathon ist schon was Besonderes für mich, die Atmosphäre am Plören, das war mega cool. Da haben sie mich hochgeschrien“, kommentierte Schneider ihren Erfolg.

 

Die erst 21-jährige Kim Ames gratulierte. „Janine war die Stärkste heute. Als sie angegriffen hat, konnte ich nicht mitgehen. Zuvor haben wir super zusammen gearbeitet und es hat super Spaß gemacht“, meinte die Saarländerin, die mit 44 Sekunden Rückstand auf Schneider (3:25.54) die Ziellinie überquerte.

Stefanie Dohrn zeigte sich ebenfalls glücklich über ihren dritten Rang. „Wir Jungen haben uns heute gut präsentiert“, meinte die 26-Jährige. Tatsächlich macht dieses Trio Hoffnung, dass im deutschen Marathon-Lager Nachwuchs für Spitz und Co. nachwächst.

„Für mich ist es das dritte Rennen und am Ende ging mir die Kraft aus, aber es hat sehr viel Spaß gemacht mit den beiden vorne weg zu fahren. Natürlich war ich mir auch nicht sicher, ob ich nicht noch eingeholt werde“, so Dohrn, die mit 2:36 Minuten Rückstand das Ziel erreichte.  

 

Hinter diesem Dreigestirn erreichte eine „große alte Dame“, wenn man das so formulieren darf, als Vierte das Ziel. Die Schweizerin Esther Süss, die an Ort und Stelle schon mal Europameisterin geworden ist, hielt sich für ihre Trainingsgefährtin Janine Schneider länger zurück. „Aber ich habe gemerkt, dass ich am Berg die Stärkste bin und dachte, nein, mit einer Neuner-Gruppe will ich nicht ins Ziel kommen. Sprinten kann ich nämlich nicht“, so Esther Süss.

Sie machte Druck und ließ ihre Begleiterinnen zurück. Mit 7:26 Minuten Differenz erreichte die Ex-Weltmeisterin das Ziel.

 

Herren: Sascha Weber „imposant“

Sascha Weber ist vor vier Jahren in Singen Vize-Europameister geworden, insofern war klar, dass man ihn zu den Favoriten zählen musste. Zudem hat der in Freiburg lebende Saarländer in den vergangenen Wochen mehrfach prächtige Leistungen gezeigt.

„Ich habe gemerkt, dass ich am Berg der Stärkste bin“, erklärte Weber. Schon früh und im Ziel sollte ihm auch Urs Huber nicht widersprechen. Der Schweizer Marathon-Meister konnte am längsten mit Weber mithalten, war dessen Antritt am Plören dann aber auch nicht gewachsen.

„Er war das ganze Rennen der Stärkste“, nickte Huber. Dennoch hätte es bei diesem taktisch geprägten Wettkampf im Hegau auch anders laufen können. Doch Sascha Weber war es, der die erst mal sehr große Spitzengruppe auseinander dividierte.

So ging eine sechsköpfige Formation in die zweite 49-Kilometer-Runde.

„Bei Kilometer 60 habe ich das Gas stehen lassen“, erklärte Sascha Weber trocken. An einem steilen Anstieg fuhr er davon. Urs Huber konnte folgen, aber nur halbwegs. Der Schweizer gab einen Insideblick ins Geschehen. „Ich hatte zehn Meter Abstand, Tendenz steigend“, erzählte er grinsend. „Dann habe ich Sascha zugerufen, dass er entweder alleine weiter fahren muss oder auf mich warten.“

Weber blickte zurück und entschied sich fürs Warten. War vermutlich klüger, denn noch mal 38 Kilometer alleine im Wind zu fahren, der doch manchmal kräftig durch die Vulkanlandschaft blies, das wäre möglicherweise ein Risiko gewesen.

Huber und Weber einigten sich und arbeiteten zusammen. So verhinderten sie, dass die Verfolger Jochen Käß (Ofterdingen), Manuel Pliem (Österreich), Simon Stiebjahn (Titisee-Neustadt) und Matthias Alberti (Bad Tölz) noch mal aufschließen konnten.

 

In der Parabel „hässlich durchgetreten“

 

„An diesem steilen Parabel-Anstieg habe ich dann hässlich durchgetreten“, berichtete Weber und sprach dabei vom Anstieg am Plören, sechs Kilometer vor dem Ziel.  Er riss eine Lücke und brachte ins Ziel. Mit 14 Sekunden Vorsprung überquerte er nach 3:38:51 Stunden die Ziellinie und zelebrierte seinen ersten Sieg in der UCI Marathon-Serie. „Die Woche war nicht einfach mit dem schlechten Wetter, aber ich bin natürlich super zufrieden. Mein Frühjahr kann sich sehen lassen“, meinte er grinsend.

 

Urs Huber, der zwei Wochen an einem Infekt laboriert hatte, war mit sich auch im Reinen. „Mit Rang zwei bin ich heute echt zufrieden. Sascha war am Berg echt imposant“, diktierte Huber in den Block der Reporter. „Für mich geht es wieder aufwärts.“

 

Jochen Käß kopierte – unwissentlich – die Attacke von Weber am Plören und ließ seine drei Begleiter zurück. „Ich war in der ersten Runde schon mal abgehängt und habe ein paar Körner liegen lassen. Aber ob ich mit Sascha hätte mithalten können, das kann ich nicht sagen. Sieben Wochen nach meinem Schlüsselbeinbruch beim Cape Epic bin ich aber sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, kommentierte der dreifache Deutsche Marathon-Meister.

Der Centurion-Vaude-Biker überquerte die Ziellinie mit 1:48 Minuten Rückstand auf Weber und notierte damit sein bisher bestes Ergebnis beim Rothaus Hegau Bike-Marathon.  

 

Fazit:  Starkes Teilnehmerfeld

Bei den Veranstaltern freute man sich mit der Lokalmatadorin und über einen gelungenen Event und über annähernd 1000 Teilnehmer, deutlich mehr als im Vorjahr. „Und das obwohl die Woche so schlechtes Wetter war“, meinte Stephan Salscheider von der organisierenden Skyder Event&Track Company. „Organisatorisch ist alles super gelaufen und die Rennen waren spannend“

 

Weitere Infos unter: www.hegau-bike-marathon.de

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