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Der Weltmeister will auch Deutscher Meister werden

von Zugang Rothaus Hegau Bike Marathon in Singen

Andreas Seewald startet beim Rothaus-Hegau-Bike-Marathon

Der Weltmeister will auch Deutscher Meister werden

Nur wenige Tage ist es her, dass sich der 30-jährige Lenggrieser Andreas Seewald zum weltbesten Mountainbike-Marathon-Fahrer 2021 krönte: bei den Marathon-Weltmeisterschaften auf der italienischen Insel Elba verwies er die internationale Konkurrenz auf die Plätze, siegte nach 115 Kilometern, 4.500 harten Höhenmetern und einer kräftezehrenden Fahrzeit von 6:02:03 Stunden. Damit sicherte er sich sowohl die Goldmedaille als auch das begehrte Regenbogen-Trikot. Am kommenden Sonntag wird der frischgebackene Weltmeister in Singen (Hohentwiel) versuchen, auch den Titel des Deutschen Meisters zu erobern und damit das Triple 2021 perfekt zu machen, denn neben der Weltmeisterschaft konnte der Bayer Ende Juni schweizerischen Evolène auch schon den Europameister-Titel holen.

Allerdings könnten die Marathon-Strecken der Weltmeisterschaft auf Elba und der Deutschen Meisterschaft in Singen kaum unterschiedlicher sein: in Italien lange, steile, teils ruppige Anstiege und Abfahrten. Im Gegensatz dazu die sehr schnelle Strecke des Hegau Bike Marathons in Singen: viele kurze, aber nicht minder steile Rampen, 98 Kilometer, 2.800 Höhenmeter und eine erwartete Fahrzeit von 3,5 Stunden sind die Rahmenbedingungen für den kommenden Sonntag. Auf den zwei langen Runden à 49 Kilometer durch den Hegau wird Seewald, dem da sicher noch die Weltmeisterschaft in den Beinen stecken wird, versuchen, auch das deutsche Meistertrikot seiner Sammlung hinzufügen. Eine erste Vorentscheidung könnte nach Ansicht des Weltmeisters jeweils schon kurz nach dem Start (10:30 Uhr) oder nach der ersten Zielpassage (vermutlich kurz nach 12:00 Uhr) fallen, wenn es binnen der ersten sechs Kilometer über 200 Höhenmeter zu erklimmen gilt. „Da ist es erstmal wichtig, die richtige Gruppe zu erwischen“, weiß der erfahrene Mountainbiker Seewald – und wirft auch gleich seinen eigenen Hut in den Ring: „Mit Attacken ist immer zu rechnen, wenn es bergauf geht!“ Die letzte Chance, sich entscheidend von den Konkurrenten abzusetzen, sieht Seewald nach der Unterführung der A81 bei Hinzlingen, wenn es in den letzten langen Anstieg vor dem Ziel auf dem Rathausplatz in Singen geht. Auch die Singletrails des Hegau-Bike-Marathons könnten durchaus rennentscheidend sein: „Da darfst Du nicht zu weit hinten sein“, sagt Seewald.

„Bergauf ist meine Stärke“, verrät Seewald und verweist auf sein WM-Rennen auf Elba: auf der letzten der drei zu fahrenden Runden auf der italienischen Mittelmeerinsel habe er „es eine Stunde lang immer wieder probiert, meine Konkurrenten abzuhängen. Erst, als es so richtig steil wurde, ist der Kolumbianer dann endlich eingebrochen. Da hatte ich schon fast nicht mehr dran geglaubt und es beinahe schon bereut, so viel von vorne gefahren zu sein.“ Doch auch wenn die Anstiege im Hegau nicht so lange sind wie auf Elba: auch die giftigen Anstiege rund um Singen können Vorteile für die Marathon-Fahrer sein, die oft längere Steigungen bevorzugen – im Gegensatz zu den Cross-Country-Spezialisten, die so lange Bergaufpassagen im Rennmodus eher nicht gewohnt sind: „Alles, was länger ist als drei Minuten, ist gut für uns Marathon-Fahrer“, sagt Seewald und verweist damit auf den zu erwartenden Zweikampf der Marathonisti zu den Sportlern aus der olympischen Cross-Country-Fraktion, die sich auch für die Deutsche Marathon-Meisterschaft angemeldet haben, wie zum Beispiel Luca Schwarzbauer vom Team Lexware, der vergangenen Sonntag mit deutlichem Vorsprung den Finallauf des Swiss Bike Cups in Schaan (Liechtenstein) gewann. Deren Rennlänge liegt typischerweise bei rund eineinhalb Stunden, also deutlich kürzer als das, was am Sonntag in Singen gefordert wird. Doch mehrstündige Trainingseinheiten sind auch bei den Cross-Country-Fahrern an der Tagesordnung, sodass sie die Distanzen durchaus gewohnt sind, nur halt eher selten im Renntempo.

„Mein Ziel ist das Triple, also alle drei Titel dieses Jahr zu holen: Weltmeister und Europameister bin ich schon, jetzt will ich auch noch das Trikot des Deutschen Meisters“, zeigt sich Seewald, im Hauptberuf Soldat im Skizug der Gebirgsjäger in Bad Reichenhall, kampfeslustig: „Auch wenn ich dann das DM-Trikot nie tragen werde, da das WM-Trikot mit den Regenbogenstreifen das höherwertige ist. Aber diesen Erfolg wird mir dann sicher so schnell keiner nachmachen.“

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